Gibt es die Top Zahnpaste?
- arntgerstenberger
- 7. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Patienten fragen mich oft, welche Zahnpaste ich empfehlen würde. Dazu habe ich natürlich eine eigene Meinung. Aber bevor ich diese Frage beantworte, lies hier einige Basisinformationen zum Thema:

Zahnpasta – sinnvoller Helfer oder überschätztes Ritual?
Die tägliche Zahnpflege beginnt für die meisten Menschen automatisch mit Zahnbürste und Zahnpasta. Doch was davon ist wirklich entscheidend – und welche Rolle spielt die Zahnpasta tatsächlich? Kleine Bemerkung: Ich kann mich bis heute nicht wirklich entscheiden, ob ich das Wort "Zahnpaste" oder das Wort "Zahnpasta" besser finde :-)
Warum Zahnreinigung überhaupt notwendig ist
Auf unseren Zähnen bildet sich kontinuierlich ein bakterieller Biofilm, auch Plaque oder Zahnbelag genannt. Die Art und der Aufbau dieser Plaque hängt erheblich von unserer Ernährung ab. Dieser Zahnbelag ist zunächst unsichtbar, kann aber weitreichende Folgen haben:
Bakterien im Zahnbelag produzieren Säuren → der Zahnschmelz wird dadurch angegriffen, es ensteht Karies
Entzündungsreaktionen am Zahnhalteapparat entstehen durch Bakterien → das kann zu Zahnfleischrandproblemen (Gingivitis) bis hin zur Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) führen.
Die zentrale Aufgabe der Mundhygiene besteht daher darin, diesen Biofilm regelmäßig zu stören, zu entfernen und zu helfen, eine gesunde Mundökologie aufrecht zu erhalten.
Info zu Karies:
Der Einstieg in eine Karies ist die oberflächliche Auflösung des mineralischen Zahnschmelzes durch Säuren, die im Zahnbelag entstehen.
Info zu Gingivitis und Parodontitis
Bakterielle Gifte und Wirkstoffe wirken auf das Gewebe von Zahnfleischrand und Zahnhalteappart ein. Dabei kommt es manchmal zu starken Reaktionen des Immunsystems, was zu Blutungen und Knochenabbau am Zahnhalteapparat führen kann.
Die wichtigsten Werkzeuge sind dabei:
Die Zahnbürste: Sie reinigt die gut erreichbaren Zahnflächen
Die Zahnseide: Sie erreicht enge Zwischenräume, die Zahnzwischenräume zwischen den Zähnen
Die Interdentalbürsten: Sie erreichen besonders effektiv die Zahnzwischenräume bei größeren Abständen in den Zahnzwischenräumen
Die mechanische Reinigung ist dabei die wichtigste Grundlage – ohne sie kann keine Zahnpasta ihre Wirkung entfalten.
Welche Rolle spielt Zahnpasta?
Zahnpasta ist kein Ersatz für gutes Putzen, sondern eine gezielte Ergänzung. Ihre Wirkung lässt sich in mehrere Funktionen aufteilen:
1. Unterstützung der Reinigung
Die Paste enthält feine Putzkörper. Diese helfen dabei, Beläge und Verfärbungen effektiver zu lösen. Besonders an schwer zugänglichen Stellen kann das einen positiven Unterschied machen.
2. Schutz und Stärkung des Zahnschmelzes
Bestimmte Inhaltsstoffe in Zahnpasten fördern die Remineralisation, also die Wiedereinlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz. Dadurch wird er widerstandsfähiger gegenüber Säuren.
3. Einfluss auf die Mundflora
Einige Zahnpasten enthalten Stoffe, die das bakterielle Gleichgewicht im Mund beeinflussen und entzündungsfördernde Keime reduzieren können.
4. Reduktion von Empfindlichkeit
Spezielle Zahnpasten verschließen feine Kanälchen im Zahn und können so Schmerzempfindlichkeit verringern.
5. Gewohnheit und Motivation
Nicht zu unterschätzen: Geschmack, Frischegefühl und Schaumbildung fördern die Regelmäßigkeit der Zahnpflege – ein entscheidender Faktor im Alltag.
Welche Zahnpasten gibt es?
Das Angebot ist groß – und nicht jede Zahnpasta verfolgt das gleiche Ziel. Es gibt:
Klassische Zahnpasten mit remineralisierenden Wirkstoffen wie Calcium- und Zinnverbindungen u.ä.
darunter die sogenannten Fluoridhaltigen Zahnpasten mit Natriumflourid, Calciumflourid oder Aminfluorid
Fluoridfreie Varianten, oft auf natürlicher Basis
Hydroxylapatit-Zahnpasten, die sich am natürlichen Zahnschmelz orientieren
Sensitiv-Zahnpasten für empfindliche Zähne
Whitening-Zahnpasten zur Entfernung von Verfärbungen
Medizinische Spezialzahnpasten für spezifische Probleme wie Zahnfleischentzündungen
Je nach Sichtweise wird Zahnpasta unterschiedlich bewertet:
Während sie in der klassischen Zahnmedizin als wichtiger Bestandteil der Prävention gilt, sehen andere Konzepte sie eher als unterstützendes, aber nicht zwingendes Element.
Meine Sicht auf das Thema "Zahnpaste" lautet wie folgt:
Entscheidend ist die Art der Ernährung und die direkte mechanische Reinigung von Mund und Zahn. Jede Zahnpaste ist dabei eine gute Unterstützung, im Notfall kann auch einmal darauf verzichtet werden.
Hinzu kommt, ob Du ein erwachsener Mensch oder ein heranwachsender Mensch bist.
Bist Du ein heranwachsender Mensch, so sollte darauf geachtet werden, daß sich Dein Zahnschmelz immer stabiler remineralisiert. Dazu sind Fluoride in kleiner Menge erforderlich. Wenn Du willst, schau auf den Artikel: "Wie die Zähne meiner Kinder gesund und stark werden" (Link).
Habe ich als Mensch eine Ernährung, die recht kohlenhydratreich ist und viel Zucker und ähnliche Stoffe enthält, so führt das zu einer höheren Säurebelastung und damit zu einer höheren Kariesaktivität. Da ich dies ggf. nicht sofort ändern kann, ist die Verwendung einer fluoridierten Zahnpaste bis zu einem gewissen Grade empfehlenswert.
Bin ich in der Lage, meine Ernährung umzustellen, d.h. weniger "zuckerhaltig" zu essen, bin ich also in der Lage, damit meine Säurebelastung deutlich zu reduzieren, dann kann ich schrittweise auf die Nutzung einer fluoridhaltigen Zahnpaste verzichten.
Warum sollte ich das ggf. tun?
Es gibt eine fachliche Diskussion darüber, daß die unbedachte Nutzung von Fluoridverbindungen im körperlichen System, besonders in einigen Drüsen des Menschen, Probleme verursacht und zu neurologischen und anderen Problemen führen kann. Daher gibt es auch bei mir Bedenken, flouridhaltige Zahnpasten einfach so pauschal in Menge und unbedacht zu nutzen.
Dazu solltest Du folgendes wissen:
Flouride sind - regional unterschiedlich - ein natürlich vorkommendes Mineral, welches sich u.a. in Trinkwasser, Quellwasser, Tees und Mineralwässern findet. Bis zu einem gewissen Grade ist also die Präsenz dieser Verbindungen natürlich bedingt. Es kommt auf die Dosis an.
Wenn Du gut zahnärztlich betreut wirst, so wird Deine Zahnärztin oder Dein Zahnarzt sich mit Dir zusammen setzen und nachforschen, wieviel Flouride Du täglich aufnimmst. Das nennen wir Zahnärzte eine Fluoridanamnese.
Davon abhängig wird gemeinsam entschieden, welche Art von Zahnpaste Du nehmen kannst.
Meine Meinung für mich selbst und meine Patienten, die mir vertrauen:
1.
Habe ich eine sehr ausgewogene, wenig verarbeitete Ernährung, die kaum Kohlenhydrate und Zuckerbausteine enthält, bin ich erwachsener Mensch mit einer geringen Kariesaktivität (im Zweifel frag Deinen Zahnarzt) und stelle ich sicher, daß ich eine gute und genaue mechanische Reinigung durchführe, so kann ich eine fluoridfreie Zahnpasta nutzen.
2.
Habe ich eine Ernährung, die viel verarbeitete Produkte wie Fertigprodukte, Pizza oder Fast Food enthält, so sollte ich besser eine fluoridhaltige Zahnpaste nutzen. Mein Ziel sollte es sein, meine Ernährung umzustellen und meine mechanische Reinigung sehr gründlich durchführen.
Für mich und mein Leben gilt: Ich habe eine ausgewogene Ernährung aber ich gehe eben auch einmal aus, und da kann ich nicht immer sicherstellen, was ich da zu essen bekomme und ob ich immer angemessen reinigen kann.
Daher nutze ich an 6 Tagen der Woche eine fluoridfreie Zahnpaste und an einem einem Tag stärke ich meine Zahnschmelz und nutze eine Zahnpaste mit Aminflurid o..ä.
Wenn Du Fragen hast:
zu einer zahngesunden Ernährung, dann schau hier nach
zur Wirkung von Fluoriden, Mineralien und Zahnschmelz, dann schau hier nach
zur gesunden Zahnsubstanzentwicklung bei Kindern und Jugendlichen, dann schau hier
Gibt es Alternativen zur Zahnpasta? Ja – und sie werden in verschiedenen Kulturen und Ansätzen genutzt:
Zähneputzen nur mit Wasser
Zahnpulver (z. B. auf Mineralbasis)
Natürliche Substanzen wie Kokosöl oder Salz
Miswak (natürliche Zahnholzstäbchen)
Diese Alternativen können funktionieren – entscheidend bleibt jedoch immer die Qualität der mechanischen Reinigung.
Fazit
Die Basis gesunder Zähne ist nicht primär die Zahnpasta, sondern die konsequente mechanische Reinigung.
Zahnpasta kann diesen Prozess sinnvoll ergänzen: Sie verbessert die Reinigungsleistung, stärkt den Zahnschmelz und unterstützt das Gleichgewicht im Mund.
Am Ende geht es nicht um ein „entweder oder“, sondern um das Zusammenspiel: gute Technik, passende Hilfsmittel und ein Verständnis für die eigenen Bedürfnisse. Wenn Du Fragen zu den "technischen Hilfsmitteln" der Zahnhygiene hast, wie Zahnbürsten, Zahnseide, Zahnzwischenraumbüsten usw. dann schau hier Wenn Du Fragen zu zusätzlichen Reinigungshilfen wie Mundspülungen, Mundölen u.a. hast, dann schau hier

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